Für die Musikwissenschaft ist es von großer Bedeutung, Notenhandschriften ihren Schreibern zuordnen zu können. Dadurch kann man eingrenzen, wann, wo, warum und für wen eine Komposition geschrieben bzw. abgeschrieben wurde, und auch Aussagen über die Verbreitung der Komposition treffen. Anhand der individuellen Handschrift kann man einen Schreiber identifizieren; auch verraten das verwendete Papier, die Tinte und das Wasserzeichen weitere Einzelheiten. Die Rostocker Universitätsbibliothek hat ihre Sammlung von Notenhandschriften dafür zur Verfügung gestellt, die aus den verschiedensten Gebieten Europas und vorwiegend aus dem 18. Jahrhundert stammen. Diese Notenblätter dienen als Informationsquelle zur Schreibererkennung.
Um eine Menge von Notenhandschriften ihren Schreibern zuordnen zu können, geht man davon aus, dass jeder Schreiber eine individuelle Schrift hat. Somit werden zuerst die Merkmale von Schrift definiert, anhand denen man eine Schreibercharakteristik erstellen kann, die zur Unterscheidung der Schriftstile und somit der einzelnen Schreiber verwendet wird. Die Musikwissenschaftler haben die Notenschrift mit ihren Merkmalen in 13 Merkmalsklassen eingeteilt: Schlüssel, Taktvorzeichen, Viertelpausen, Schriftneigung, Kaudierung, Form der Fähnchen, Schreibgewohnheiten, Laufweite, Bebalkung, Vorzeichen, Form der Notenköpfe, Schlusszeichen und Rastral. In diesen Merkmalsklassen gibt es insgesamt ungefähr 80 Merkmale, Features genannt, welche die Schrift eines Schreiber repräsentieren. Es wurde ein hierarchisches Ordnungssystem (Feature Base) innerhalb der Merkmalsklassen von den Musikwissenschaftlern entwickelt, welches die Zerlegung komplexer Zeichen in ihren einzelnen Grundelementen gestattet.
Nähere Informationen zum Projekt und zu der Umsetzung werden in den einzelnen Unterpunkten links im Menu gegeben. Es werden Informationen zum Datenmodell, zu den Data Mining Algorithmen und zum Systemaufbau geliefert. Zur manuellen Schreiberanalyse steht das System unter Analyse zur Verfügung, für dessen Bedienung unter Systembedienung genaueres zu finden ist. Der Projektpartner "Fraunhofer Institut" hat ein Tool zur automatischen Analyse von Notenhandschriften entwickelt, siehe Automatische Analyse von Notenhandschriften.